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Prüflabor für Kosmetik · Lebensmittel · Nahrungsergänzung

Challenge Test

Challenge Test Kosmetik: Wann ist er nötig und was kostet er?

In diesem Artikel

Der Konservierungsbelastungstest, international als Challenge Test bekannt, ist ein zentrales Verfahren zur Bewertung der mikrobiologischen Stabilität von kosmetischen Produkten. Er simuliert eine Kontamination des Produkts während des Gebrauchs durch den Verbraucher und prüft, ob das enthaltene Konservierungssystem in der Lage ist, das Wachstum von Mikroorganismen effektiv zu hemmen. Diese Prüfung ist ein wesentlicher Bestandteil der Sicherheitsbewertung gemäß der europäischen Kosmetikverordnung (EG) Nr. 1223/2009 und dient dem Schutz der Verbrauchergesundheit. Als Prüflabor führt KNB ANALYTICA diesen Test nach der international anerkannten Norm DIN EN ISO 11930 durch.

Was ist ein Challenge Test (Konservierungsbelastungstest)?

Ein Konservierungsbelastungstest ist ein mikrobiologisches Laborverfahren, das die Robustheit eines Konservierungssystems in einem kosmetischen Produkt unter Beweis stellt. Das Grundprinzip besteht darin, das Produkt gezielt mit einer hohen Konzentration definierter Mikroorganismen – Bakterien, Hefen und Schimmelpilzen – zu beimpfen (zu „challengen“). Anschließend wird über einen festgelegten Zeitraum von 28 Tagen beobachtet, wie sich die Keimzahl entwickelt.

Das Ziel ist nicht, die Sterilität des Produkts nachzuweisen, sondern zu verifizieren, dass das Konservierungssystem eine zufällige, im Gebrauch entstehende Kontamination beherrschen kann. Ein wirksames System muss die eingebrachte Keimzahl signifikant reduzieren und ein weiteres Wachstum verhindern. Die Ergebnisse liefern eine fundierte Aussage darüber, ob das Produkt über seine gesamte Haltbarkeits- und Verwendungsdauer mikrobiologisch stabil und sicher für den Anwender ist.

Regulatorische Anforderungen: Wann ist ein Challenge Test erforderlich?

Die Notwendigkeit eines Challenge Tests leitet sich aus der EU-Kosmetikverordnung (EG) Nr. 1223/2009 ab. Gemäß Anhang I muss für jedes kosmetische Produkt vor dem Inverkehrbringen ein Sicherheitsbericht erstellt werden. Ein Teil dieses Berichts ist die Bewertung der mikrobiologischen Qualität und Stabilität. Der Konservierungsbelastungstest ist hierfür der anerkannte Standardnachweis („Goldstandard“).

Allerdings ist der Test nicht für alle Produktkategorien zwingend erforderlich. Produkte mit einem geringen mikrobiologischen Risiko können von der Testpflicht ausgenommen sein. Die Entscheidung darüber muss jedoch im Rahmen einer wissenschaftlich fundierten Risikobewertung getroffen und im Produktsicherheitsbericht (Product Information File, PIF) detailliert begründet werden.

Produkte mit geringem mikrobiologischem Risiko

Zu den Produkten, für die unter Umständen auf einen Challenge Test verzichtet werden kann, gehören:

  • Wasserfreie (anhydrische) Produkte: Öle, Balsame, Puder oder Lippenstifte, da Mikroorganismen Wasser zum Wachstum benötigen.
  • Produkte mit hohem Alkoholgehalt: Produkte mit über 20 % Ethanolgehalt, wie viele Parfums oder Gesichtswässer.
  • Produkte mit extremen pH-Werten: Formulierungen mit einem pH-Wert unter 3 oder über 10 sind für die meisten Mikroorganismen wachstumsfeindlich.
  • Produkte in Einmalverpackungen oder Verpackungen, die eine Kontamination verhindern: Ampullen oder luftdichte Spender (Airless-Dispenser).
  • Produkte auf Basis von Lösungsmitteln: z.B. Nagellacke.

Für alle anderen Produkte, insbesondere wasserhaltige Emulsionen wie Cremes, Lotionen, Shampoos oder Duschgele, ist ein Konservierungsbelastungstest zur Absicherung der Formulierung unerlässlich.

Der Ablauf des Tests nach ISO 11930

Die Norm DIN EN ISO 11930 standardisiert das Verfahren des Konservierungsbelastungstests und stellt die Vergleichbarkeit der Ergebnisse sicher. Der Ablauf gliedert sich in mehrere Phasen.

Probenvorbereitung und Inokulation

Das zu prüfende kosmetische Produkt wird in der Originalverpackung oder in geeigneten sterilen Behältern ins Labor geschickt. Dort werden Teilmengen des Produkts unter sterilen Bedingungen mit einer genau definierten Menge einer Suspension von Testkeimen versetzt. Für jede Keimgruppe (Bakterien, Hefen, Schimmelpilze) wird eine separate Probe vorbereitet.

Verwendete Testkeime

Die ISO 11930 schreibt die Verwendung von fünf spezifischen Mikroorganismen vor, die ein breites Spektrum potenzieller Kontaminanten abdecken:

  • Pseudomonas aeruginosa (Bakterium)
  • Staphylococcus aureus (Bakterium)
  • Escherichia coli (Bakterium)
  • Candida albicans (Hefe)
  • Aspergillus brasiliensis (Schimmelpilz)

Diese Keime sind repräsentativ für Organismen, die in der Umwelt vorkommen und über die Haut oder durch unsachgemäßen Gebrauch in ein Produkt gelangen können.

Inkubation und Probenahme

Nach der Inokulation werden die Proben bei einer kontrollierten Raumtemperatur (typischerweise 22,5 ± 2,5 °C) über einen Zeitraum von 28 Tagen gelagert (inkubiert). Zu festgelegten Zeitpunkten – nach 7, 14 und 28 Tagen – werden aus jeder Probe Aliquots entnommen, um die Anzahl der überlebenden Mikroorganismen zu bestimmen. Dies geschieht durch Ausplattieren auf geeigneten Nährmedien.

Auswertung und Bewertungskriterien

Die Auswertung erfolgt durch den Vergleich der Keimzahlen zu den verschiedenen Zeitpunkten mit dem Ausgangswert. Die ISO 11930 definiert zwei Akzeptanzniveaus:

  • Kriterium A: Das Produkt gilt als ausreichend konserviert. Es wird eine signifikante Reduktion der Bakterienzahl (z.B. um 3 logarithmische Stufen nach 7 Tagen) und eine Stagnation oder Reduktion der Hefe- und Schimmelpilzzahl gefordert.
  • Kriterium B: Das Produkt weist eine grenzwertige Konservierung auf. Die Anforderungen an die Keimreduktion sind weniger streng als bei Kriterium A, aber ein Anstieg der Keimzahlen wird über den Testzeitraum verhindert.

Wird keines der Kriterien erfüllt, gilt der Test als nicht bestanden. Das Konservierungssystem ist unzureichend.

Interpretation der Ergebnisse und Konsequenzen

Ein bestandener Challenge Test (nach Kriterium A oder B) ist der Nachweis, dass die gewählte Konservierungsstrategie wirksam ist. Das Ergebnis wird im Sicherheitsbericht dokumentiert und untermauert die mikrobiologische Sicherheit des Produkts.

Ein nicht bestandener Test bedeutet, dass die Produktformulierung überarbeitet werden muss. Mögliche Maßnahmen sind die Anpassung der Konzentration des Konservierungsmittels, der Wechsel zu einem anderen Konservierungssystem oder die Modifikation anderer Formulierungsbestandteile, die die Wirksamkeit beeinflussen könnten (z.B. der pH-Wert). Nach jeder relevanten Änderung der Rezeptur ist eine erneute Durchführung des Challenge Tests erforderlich, um die Wirksamkeit der Anpassungen zu validieren.

Kostenfaktoren eines Challenge Tests

Die Kosten für einen Konservierungsbelastungstest sind von mehreren Faktoren abhängig. Eine pauschale Preisangabe ist daher nicht möglich. Die wesentlichen Kostentreiber sind:

  • Prüfumfang: Ein Standardtest nach ISO 11930 mit dem definierten Keimspektrum ist die Basis. Zusätzliche, produktspezifische Keime können den Aufwand erhöhen.
  • Anzahl der Proben: Die Prüfung mehrerer Formulierungen oder Varianten führt zu entsprechenden Skaleneffekten.
  • Bearbeitungszeit: Express-Bearbeitungen sind in der Regel mit Aufschlägen verbunden, wobei die Inkubationszeit von 28 Tagen nicht verkürzt werden kann.
  • Dokumentationsaufwand: Der Umfang des Prüfberichts und eventuelle Beratungsleistungen können den Preis beeinflussen.

Der Challenge Test ist eine notwendige Investition in die Produktsicherheit, die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften und den Schutz des Markenimages.

Praxis-Checkliste: Vorbereitung auf den Challenge Test

Um einen reibungslosen und aussagekräftigen Test zu gewährleisten, sollten Sie folgende Punkte beachten:

  • Finale Formulierung: Der Test muss an der finalen Rezeptur durchgeführt werden, die auch in Verkehr gebracht wird.
  • Originalverpackung: Senden Sie die Probe idealerweise in der finalen Verbraucherverpackung ein.
  • Ausreichende Probenmenge: Für einen Test werden in der Regel mindestens 100-200 g des Produkts benötigt. Klären Sie die genaue Menge vorab mit dem Labor. Informationen finden Sie auch auf unserer Seite zur Probeneinsendung.
  • Produktinformationen bereitstellen: Teilen Sie dem Labor relevante Informationen wie den pH-Wert und die Wasseraktivität (falls bekannt) mit.
  • Zeitplanung: Berücksichtigen Sie die Testdauer von mindestens 28 Tagen plus Zeit für Vorbereitung und Berichterstellung (insgesamt ca. 5-6 Wochen) in Ihrer Produktentwicklungs-Timeline. Der generelle Ablauf einer Beauftragung gibt Ihnen eine Orientierung.

Häufige Fragen (FAQ)

Wie lange dauert ein Konservierungsbelastungstest?

Der reine Testzyklus dauert gemäß ISO 11930 genau 28 Tage. Inklusive Probenvorbereitung, Keimanzucht und der Erstellung des finalen Prüfberichts sollten Sie mit einer Gesamtdauer von etwa 5 bis 6 Wochen rechnen.

Muss der Test für jede Charge wiederholt werden?

Nein. Der Challenge Test ist eine Validierungsprüfung, die während der Produktentwicklung für eine spezifische Formulierung durchgeführt wird. Er muss nur dann wiederholt werden, wenn es signifikante Änderungen an der Rezeptur, am Herstellungsprozess, an einem kritischen Rohstofflieferanten oder an der Primärverpackung gibt.

Was ist der Unterschied zwischen einem Challenge Test und einer Keimzahlbestimmung?

Eine Keimzahlbestimmung (mikrobiologische Qualitätskontrolle) prüft den Ist-Zustand einer Produktionscharge auf eine bereits vorhandene Kontamination. Der Challenge Test hingegen prüft das Potenzial des Produkts, einer zukünftigen Kontamination zu widerstehen. Beide Prüfungen dienen der mikrobiologischen Sicherheit, beantworten aber unterschiedliche Fragestellungen.


Die Durchführung eines Konservierungsbelastungstests ist ein fundamentaler Baustein für die Sicherheit und Verkehrsfähigkeit vieler kosmetischer Produkte. Er liefert den wissenschaftlichen Beleg für die Wirksamkeit des Konservierungssystems und ist für die Erstellung eines konformen Sicherheitsberichts unerlässlich.

Haben Sie Fragen zum Challenge Test oder benötigen Sie eine Prüfung für Ihre kosmetischen Produkte? Kontaktieren Sie uns für eine unverbindliche Beratung oder fordern Sie ein Angebot an. Unser Expertenteam bei KNB ANALYTICA unterstützt Sie bei der Sicherstellung der mikrobiologischen Sicherheit Ihrer Formulierungen. Weitere Informationen zu unseren Dienstleistungen finden Sie in unserer Übersicht für den Bereich Kosmetik.


Bereit für eine Analyse? Wählen Sie im Shop die passende Leistung und folgen Sie dem Ablauf. Unsicher? Rufen Sie uns an: +49 8131 7573660 oder schreiben Sie an info@knbanalytica.com — wir beraten Sie fachlich.

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